Die Rückkehr ins Erwerbsleben gezielt planen und vorbereiten

Wiedereinstieg bei der Landeshauptstadt Stuttgart

Branche

Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

Beschäftigte

3 000 o. mehr

Startjahr

1998, überarbeitetes Konzept 2005

Anlass und Ziele

Als große Arbeitgeberin im öffentlichen Dienst stand die Stadt Stuttgart vor der Herausforderung, beständig eine hohe Zahl von beurlaubten Mitarbeiterinnen zu haben, die zudem häufig lange Jahre in der Beurlaubung verblieben. So ist seit dem Jahr 1998 die Zahl der beurlaubten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (ohne das Klinikum) bei rund 800 konstant geblieben. Um die Qualifikation dieser Beschäftigten zu erhalten, besteht von Seiten der Stadt großes Interesse, dass die Beurlaubten an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Darum wurden Maßnahmen für einen erleichterten Wiedereinstiegs nach der Familienphase entwickelt, die auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zum Ziel haben.

Zielgruppen

  • Beschäftigte mit Kindern
  • Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen

Angebote und Umsetzungsschritte

Die Stadt Stuttgart setzt mit ihren verschiedenen Angeboten zum Wiedereinstieg sehr frühzeitig ein, nämlich noch bevor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überhaupt aussteigen und begleitet sie in allen Phasen:

Phase 1: Schwangerschaft

  • Jede aktive oder beurlaubte Mitarbeiterin, die bei der Landeshauptstadt Stuttgart ihre Schwangerschaft anzeigt, erhält einen Informationsordner mit dem Titel "Ein Baby!" Die Mitarbeiterinnen bekommen mit diesem Ordner sehr schnell Antworten auf eigene Fragen, Kopien der entsprechenden Gesetze, Merkblätter, Broschüren, Antragsformulare und Adressen und Telefonnummern von Institutionen (z.B. Beratungsstellen). Vervollständigt wird der Ordner durch Informationen zur betrieblichen Kindertageseinrichtung und zum Wiedereinstieg. Diesen Informationsordner gibt es in 2 Variationen – für Beschäftigte und Beamte, da zum Teil andere Voraussetzungen gelten bzw. andere Formulare verwendet werden. Auch für werdende Väter ist der Ordner interessant, wenn sie planen, Elternzeit nach dem Bundeselterngeldgesetz zu nehmen.
  • Vor Beginn des Mutterschutzes wird ein Gespräch mit dem/der Vorgesetzten empfohlen um sich gegenseitig über die individuellen Planungen zu informieren.

Phase 2: Während der Beurlaubung

  • Kontakthalteprogramm durch Information über aktuelle Entwicklungen in der Stadtverwaltung, über Veranstaltungen und geringfügige Beschäftigungsmöglichkeiten.
  • Job-Pool - hier können sich beurlaubte Beschäftigte, die Interesse an einer geringfügigen Beschäftigung haben, eintragen lassen. Die Personalstellen der Ämter und Eigenbetriebe greifen darauf bei Bedarf zu.
  • Ämter- oder eigenbetriebsspezifische Veranstaltungen
  • Regelmäßig finden gesamtstädtische Messetage mit Kinderbetreuung im Rathaus statt, zu denen alle beurlaubten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen werden. Hier wird Gelegenheit geboten, sich umfassend zu informieren, z.B. über rechtliche Rahmenbedingungen, Arbeitszeitmodelle, Qualifizierungsmöglichkeiten, Kinderbetreuungsangebote. Es besteht die Möglichkeit, sich im Gespräch mit erfolgreichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern auszutauschen und mit den zuständigen Personalstellen der Ämter und Eigenbetriebe Kontakt aufzunehmen.

Phase 3: Wiedereinstiegsplanung

  • Wenn es an die Planung des konkreten Wiedereinstiegs geht, können sich die Elternzeitler für einen individuellen Beratungstermin an die Stadt Stuttgart wenden, um einen eventuell bestehenden Qualifizierungsbedarf abzuklären und zu planen.
  • Weitere Angebote sind der städtische Betriebskindergarten und die Internetseite für beurlaubte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach der Vergabe eines Passworts können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dieser Internetseite umfassend zu allen Fragen rund um das Thema Elternzeit, Beurlaubung und Wiedereinstieg informieren

Phase 4: Wiedereinstieg

  • Strukturierter Wiedereinstieg - die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten beim Wiedereinstieg einen Ordner, in dem alle aktuellen Informationen rund um die Stadtverwaltung zusammengestellt sind.
  • Vorteilhaft ist auch ein Stellenpool, der es ermöglicht, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückkehren können, auch wenn aktuell noch keine Planstelle zur Verfügung steht.

Zusammenarbeit

Das interne Angebot der Stadt Stuttgart profitiert auch von den externen Aktivitäten der Stabsstelle für individuelle Chancengleichheit der Landeshauptstadt, die das regionale work-life-balance Netzwerk moderiert. In diesem werden unter anderem aktuelle Probleme und Lösungsmodelle zu Familienzeit und Wiedereinstieg diskutiert. Daneben steht die Stabsstelle für individuelle Chancengleichheit auf Landesebene im Austausch mit verschiedenen Multiplikatoren.

Ergebnisse und Auswirkungen

Rein quantitativ kann die Stadt Stuttgart eine rege Inanspruchnahme der Angebote feststellen, die Beurlaubungszeiten sind heute kürzer als früher und der Wiedereinstieg ist erleichtert.

Aus qualitativer Sicht haben die Angebote dazu geführt, dass sich sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Verwaltung stärker mit dem Thema Beurlaubung und Wiedereinstieg auseinandersetzen. In Verbindung mit dem Messetag wurde eine Befragung der Beurlaubten durchgeführt, deren Ergebnisse nicht nur in die Fortentwicklung des Messetages sondern auch in die weiteren Personalentwicklungsmaßnahmen einfließen können.

Aufgrund der langjährigen Erfahrungen mit dem Wiedereinstieg nach der Elternzeit verfügt die Stadt Stuttgart über ein erprobtes Instrument, das sie zukünftig auch verstärkt bei der Beurlaubung und dem Wiedereinstieg von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit pflegebedürftigen Angehörigen einsetzen kann.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Die Angebote verlangen eine Mitwirkung der Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger. Diese haben mitunter aber keine konkrete Vorstellung, wann und wie sie wiedereinsteigen möchten. Selbst wenn sie Ideen haben, kann diesen nicht immer entsprochen werden, weil oft keine geeignete Stelle zur Verfügung steht, die diesen Vorstellungen entspricht. Die Zusammenarbeit zwischen den Fachabteilungen und der Personalabteilung gestaltet sich teilweise schwierig.

Besondere Kennzeichen des Projekts aus Sicht der Verantwortlichen

  • Antwort auf neuen Bedarf oder neue Zielgruppe
  • Erreicht Beschäftigte mit Familie
  • Marketing

Raumbedarf, technische Ausstattung etc.

Die Qualifizierungen finden in Seminarräumen der Landeshauptstadt statt. Die beurlaubten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können, wenn der Wiedereinstieg konkret geplant ist, am regulären Fortbildungsprogramm der Stadt Stuttgart teilnehmen

Für die Veranstaltungen am Messetag werden zwei Stockwerke im Rathaus reserviert.

Alle Angebote sind in einem Flyer zusammengefasst, in dem auch die Ansprechpartner/-innen für die einzelnen Maßnahmen mit Kontaktdaten genannt sind

Über ein Passwort können die beurlaubten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die spezielle Internetseite der Stadt zugreifen und sich gezielt Informationen beschaffen.

Finanzierung

Die Qualifizierungen und der Messetag werden aus dem Budget für Fortbildung und Personalentwicklung der Stadt Stuttgart finanziert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Team der Personalentwicklung, Aus- und Weiterbildung halten unter Einbeziehung verschiedener anderer Stellen innerhalb der Stadtverwaltung wie z.B. dem Personalservice und der Stabstelle für individuelle Chancengleichheit die Angebote aktuell.

Ansprechpartner/in

Frau Gisela Schill | Landeshauptstadt Stuttgart, Organisation und Personalentwicklung | Eberhardstr. 6 | 70173 Stuttgart | Tel. 0711/216-7772 | » E-mail | » WWW

Frau Dr. Ursula Matschke | Landeshauptstadt Stuttgart, Stabsstelle für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern | Eberhardstr. 61 | 70173 Stuttgart | Tel. 0711 2163338 | » E-mail

Infomaterial

Flyer Wiedereinstieg Stadt Stuttgart | Informationen zum Wiedereinstieg

Flyer Stadt Stuttgart Messetag | Die Stadt Stuttgart hat zu ihrem letzten Messetag für Elternzeitler einen Flyer herausgegeben

Link

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